Die Schweiz sprach

Im Rahmen des von verschiedenen Schweizer Medien organisierten Projekt “Die Schweiz spricht”, das Begegnungen mit politisch Andersdenkenden fördern wollte, habe ich mich heute mit JP zum Austausch getroffen.

JP und ich haben uns 2,5 Stunden lang bei einer schönen Reusswanderung unterhalten. Die Begegnung war sehr offen und gegenseitig respektvoll. Hier einige unserer Gesprächsthemen:

Flüchtlinge

Meine Meinung: Natürlich gibt es Limiten. Und es stimmt, dass eine kleine Minderheit der Flüchtlinge unehrlich ist oder keinen gültigen Grund zur Aufnahme hat. Aber die Zustände in Ländern wie Afghanistan, Syrien, Jemen, usw. sind so unbeschreiblich menschenunwürdig, dass für viele Familien Flucht der einzige Ausweg ist. Wir sind moralisch verpflichtet, ihnen zu helfen. Wir haben den nötigen Platz und die nötigen Ressourcen dafür. Ausserdem braucht die Schweiz junge ArbeiterInnen in vielen Bereichen.

Wir waren uns einig, dass die Schweiz echt notleidende Flüchtlinge aus Unruhe- und Kriegsgebieten aufnehmen soll, egal wieviele es sind. Aber dies sei nur Symptombekämpfung. Und wenn wir zu viele akzeptieren, besteht die Gefahr einer Gegenreaktion, die tiefe soziale Unruhen verursachen könnte. Siehe Chemnitz.

Die Schweizer Regierung oder auch übernationale Organisationen müssten mehr unternehmen, um die verursachenden Probleme in den Ursprungsländern, wie Stammeskonflikte und organisiertes Verbrechen, anzupacken, damit die Menschen gar nicht flüchten müssten.

Die Beziehung der Schweiz zur EU

Meine Meinung: Die Schweiz ist keine Insel. Sehr viele soziale, politische, wirtschaftliche, praktische, umwelt- und sicherheitsrelevante Angelegenheiten sind gezwungenermassen grenzübergreifend und müssen partnerschaftlich gelöst werden.

Wenn die Schweiz der EU näher wäre, könnte sie auch einen positiven Einfluss auf Ungereimtheiten und Leerläufe in den entscheidungstreffenden Gremien einnehmen.

Ausserdem, sollten wir, denen es sehr gut geht, solidarisch sein mit ärmeren Ländern und positive Beiträge leisten.

JP hat mich über Probleme der Personenfreizügigkeit mit der EU aufgeklärt. Gebildete Osteuropäer unterschreiben Verträge zu Konditionen, bei welchen ein Familienleben in der Schweiz unmöglich ist. Und Grosskonzerne verwenden Hacks, um die Regeln bezüglich Anstellung von Ausländern zu unterwandern. Als Folge, sinken die Löhne vergleichbarer Schweizer, die dann ihr bisherigen Lebensstil nicht mehr erhalten können. Darüber darf man gar nicht reden, weil sie immer noch ‘sehr viel’ verdienen.

Homosexualität

Meine Meinung: Ich verurteile Homosexuelle nicht, aber wo immer möglich braucht ein Kind die Liebe, das Vorbild und den Einfluss beider Eltern, die naturgemäss unterschiedlicher Geschlecht sind. Der Vater ist meistens eher mutig, risikobereit, fordernd; die Mutter in der Regel feinfühliger, tröstend, geduldig.

JP meinte, auch gleichgeschlechtliche Paare können ein Kind die nötige Zuwendung und Vorbildfunktionen anbieten.

Abtreibung

Früher meinte JP, die Frau habe allein das Recht zu entscheiden, ob sie ihr Kind austragen wolle oder nicht. In letzter Zeit hat er eher Bedenken. Ab wann ist ein Kind ein Mensch mit dem eigenen Recht auf Leben?

Für mich ist die Sache eindeutig: seit der Befruchtung existiert ein neuer Mensch, den niemand das Recht hat, zu töten. Dies sei vermutlich der einzige Punkt, bei welchem ich mit Trump gleicher Meinung sei. Aber seine fanatisch religiösen Fans, die sogar gewalttätig gegen Pro-Choice-Vertreter werden, kann keiner von uns zustimmen.

Das Urproblem ist, dass die Medien, die Mode, die Film- und Musikindustrie Sex so massive ins Vordergrund stellen. Da löst bald jede menschliche Begegnung sexuelle Gefühle aus, die mit der Zeit unbeherrschbar werden. So entstehen auch ungewollte Schwangerschaften und all die anderen Spannungen, die geordnete zwischengeschlechtliche Beziehungen unterminieren.

#MeToo

Als Folge dieser sexuellen Freizügigkeit begehen Männer immer häufiger ungewollte sexuelle Übergriffe. Jetzt wehren sich die Frauen. Zu Recht aber manchmal zu spät. Wenn sie z.B. durch Flirten eine solche Beziehung über Jahre gefördert haben, weil sie die Aufmerksamkeit eines prominenten Mannes geniessen oder davon profitieren, ist es unehrlich, wenn sie ihn später für sein Verhalten anklagen.

Wir beide kennen Fälle, wo ungerechtfertigte Klagen viel Unheil verursacht haben, bis zu Selbstmord. Und viele Männer vermeiden harmlose Kontakte zu Frauen oder sagar Nachbars- oder Göttikinder, aus Angst vor Vorwürfe. Natürliche Beziehungen werden damit unmöglich, was die gesamte Gesellschaft schadet.

Allgemein

Wir haben auch andere Themen kurz angesprochen. Unsere Meinungen gingen nicht sehr weit auseinander und wir fanden viel Verständnis für die jeweilige Position des anderen.

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