Gnade ist nicht nur ein Wort – Philip Yancey

Originaltitel: What’s so Amazing About Grace?

Ein sehr starker und bewegender Plädoyer für das Umsetzen der Essenz der 341711178101_scmzzzzzzz_1.jpgBotschaft von Jesus – Gnade – in einer Welt, die nach genau entgegengesetzten Prinzipien funktioniert. Gott liebt und segnet uns nicht, weil wir es verdienen, sondern weil das Seine Natur ist und Er uns dadurch zu gewinnen hofft.

Auch wir sollen die Unliebsamen lieben, die uns hassen oder ungerecht behandeln, oder solch Gemeines tun, dass sie uns abstossen, oder uns durch ihre moralische oder körperliche Verdorbenheit ekeln.

Oftmals zeigt die Kirche, und besonders die konservativen Evangelikalen, eine ganz andere Einstellung: selbstgerecht, richtende Ablehnung der ‘dreckigen Sünder’, wie zB die kaputten, erkrankten Homosexuelle (Kap 13).

Mitten in der Finsternis der ‘Ungnade’ scheinen gelegentlich ein paar Lichtstrahlen – viele gleichnishafte oder aus dem Leben gezogene Geschichten, wie der zeitgenössische “verlorene Sohn” (Kap 4).

Ab der Mitte fährt sich Yancey etwas in der amerikanischen kirchlich/politischen Szene fest, was uns in der ROTW unverständlich und irrelevant vorkommt. Am Schluss hat man noch Fragen, was die eigentliche Botschaft des Buchs ist: Wir haben die gegensätzlichen Einstellungen erkannt, sind vom Weg der Gnade überzeugt, fühlen uns schuldig/herausgefordert, … Und dann?

The Complex Christ – Kester Brewin

Untertitel: Signs of emergence in the urban church

Ein Buch, das ich nicht ohne weiteres empfehlen kann. Brewin erkannt richtig einige Mängel und028105669202_scmzzzzzzz_1.jpg Versagen des Christentums, und behauptet, wir sind auf einem ‘lokalen Gipfel’ gelandet, anstatt zuoberst auf dem Berg. Um weiter zu kommen, müssen wir uns ins finstere, dreckige Tal wagen, uns einmischen in die unschönen Realitäten dieser brutalen, ungerechten, unmoralischen Welt – Fleisch werden (become incarnate)! – bevor wir den Weg zu einem höheren, ‘verbindenden’ (conjunctive) Lebensstil finden, der Einsichten aus einer Reihe von spirituellen Kulturerben mit weltlicher Weisheit vermischt.

Er betont eine allmähliche Evolution, statt Revolution; Geben, statt Ausbeutung; Entwicklung von unten nach oben, statt eine hierarchische Dominanz – alles gutes Zeug! Seine Grossstadt-Theorie (Kap. 5) ist besonders interessant.

Aber wo er von Dreck redet, finde ich seine Symbolik konfus. Ja, Jesus bringt dem Dreckigen Hoffnung, aber nicht indem er Dreck verherrlicht, sondern indem Er reinigt. Brewin hat offensichtlich den Wunsch, das Establishment durch unverschämte Behauptungen und Praktiken zu schockieren, stützt sich auch sehr stark auf nichtchristlichen Quellen, und bezieht sich zu wenig auf biblische Wahrheiten.

N.B. Brewin unterscheidet zwischen “Emergent” (etwas verachtend; à la Brian McLaren, usw.) und “emerging”, wobei scheinbar die Gross/kleinschreibung auch eine Bedeutung haben soll! Er ist nicht von der gleichen Schule wie B McL

Breaking the Rules – Eddie Askew

Normalerweise habe ich keine Zeit – und auch kimageasp.jpgeine Begeisterung! – für tägliche Andachte. Dieses Buch hat mich aber gepackt! Die provokativen Gedanken zur jeweiligen Bibelstelle sind an sich wertvoll: offen und ehrlich, gibt Eddie eigene Zweifel und Versagen zu, lässt sich von ‘weltlichen’ Ansichten in Frage stellen, steht aber trotz allem ganz klar zu Jesus, auch wenn er Seine Aussagen nicht immer ganz verstehen oder akzeptieren kann.

Hinzu kommt jedes Mal ein Gedicht. “O Schreck!” höre ich Dich schreien. Diese Reaktion begreife ich: der grösste Teil aller Poesie finde auch ich entweder viel zu abstrus, nichtssagend oder dann einfach kindisch. Aber diese Gedichte sind nicht so; sie sind verständlich, künstlerisch und pointiert.

Das Tüpfelchen auf dem i sind die Bilder: Aquarelle von einfachen Alltagslandschaften hie und da zwischen den Gedankenanstössen. Wahrscheinlich wird er durch sie nicht reich. Aber wie gerne würde ich so malen können!

Thankyou for lending it to me, Ronnie!

Und Ewig Singen die Wälder, von Trygve Gulbranssen

Die Generationen kommen und gehen im hohen Norden Norwegens. Schweigsame, harte, adlige Männer [Vgl. “Wir konnten stundenlang miteinander schweigen” aus dem Film: «Näkkälä»], vom Überlebenskampf im Wald gegen Wild und Wetter gekennzeichnet, von Sagen und Gebräuchen aus alten Zeiten geprägt, mit einem schlummernden Glauben an den ewiggerechten Liebgott, in zwischenmenschlichen Beziehungen kläglich schwach, ringen gegen Hass- und Rachegefühle, gegen Bitterkeit, Neid und Habgier.

Zwischendurch erleben sie merkwürdige geistlich Einblicke, die ihr Leben ein zeitlang mitprägen, um dann wieder lange in Vergessenheit zu geraten. Die extrem karge Gespräche bestehen aber aus Worte, die fürs Leben zählen!

Sehr schön geschrieben; die Natur spürbar, die verknorrten Beziehungen peinlich wahrhaftig dargestellt. Es gibt Kapitel, die etwas langweilig wirken. Es gibt Gemütsschwankungen, die etwas schwer nachvollziehbar sind. Aber vielleicht ist das Leben eben so.

Die Zeit ist um 1770 bis 1830, harte Kriegsjahren im Norden, dann die Napoleonische Ära, und ein paar wenige Einflüsse aus Hamburg, Paris, London.

Besonders zum Vorschein kommen der Kampf zwischen Reichtum/Geldgier und Grosszügigkeit und die Vater-Sohn-Beziehung.

Ein sehr gutes Buch. (Eigentlich 2 Bücher: “Und Ewig Singen die Wälder” und “Das Erbe von Björndal”)

Bosnia – a Short History, von Noel Malcolm

Eine sehr gut erfoschte und lehrreiche Abhandlung, die mutig versucht, die Mächtebosnia.jpg und Ereignisse, die Bosnien über die Jahrhunderte formten, zu entwirren. Es scheint mir etwas merkwürdig, dass Malcolm, in einem vom Krieg zerrütteten Gebiet mit ständig verändernden Herrschern, Grenzen, und nationalen Zuständen, gerade multiethnisches, multireligiöses Bosnien besonders heraushebt, als besitze oder verdiene es politische Unabhängigkeit, und allen anderen (besonders den Serben) vorwirft, dieses angeborene Recht zunichte zu machen, oder, durch Unkenntnis der historischen Tatsachen, jeden ernsthaften Versuch, die Spannungen zu lösen, vollständig zu verbocken.

Es wird klar, dass Malcolm die bosnischen Mosleme grundsätzlich als aufrichtiges, friedhaftes Volk ansieht, und besonders die Serben als arrogant, aggressiv, expansionistisch.

Aufklärend aber wahrscheinlich immer noch nicht die ganze Wahrheit.

Shaped by Our Stories, Brian McLaren

Habe mir gestern diesen Vortrag (aus einer Kleingruppenkonferenz von Willow Creek in Illinois im 2005) von BMcL angehört. Nichts revolutionäres, aber das erste Mal, dass ich seine Stimme höre!

Er betont die Wichtigkeit von Erzählungen: eine Erzählung hört man lieber zu und versteht man besser als eine theoretische Abhandlung. Aber, was mir wichtig dünkt, ist seine Behauptung, dass wir durch das Erzählen von Erlebnissen sowohl uns selbst, wie auch unsere Zuhörer, formen: wer anderen schöne Erfahrungen mit Freude und Dankbarkeit weitererzählt, der prägt seine eigene Lebenseinstellung und die seiner Gesprächspartner zum Positiven; wer ständig jammert und kritisiert formt sich (und seine Zuhörer) zu Klagegeistern.

Auf der andere Seite kann man andere zu guten Taten animieren, in dem man von eigenen Hilfeleistungen erzählt (Gefahr: Prahlerei!). Er empfielt das regelmässige Nachfragen innerhalb einer Kleingruppe: was hast du in der letzten Woche Schönes erlebt? was hast du in der letzten Woche Gutes getan?

So praktiziert er seine Prinzipien auch; er erzählt einige eigene positive Erlebnisse und animiert die Anwesenden zum Austauschen untereinander. Wertvolle Impulse!

The 3 hardest words in the world to get right, Leonard Sweet

Ich habe aufgegeben – nach etwa der Hälfte! Zu postmodern für mich! Das passiert mir sonst nie.

Er erkennt zwar Wichtiges, zB die Signifikanz der Metageschichte (metanarrative), ein Konzept, das in der Regel von Postmodernen verworfen wird; oder, dass die christliche Botschaft nicht die Erfüllung sondern die Tranzendesenz des Selbst anstrebt.

Es geht um die Bedeutung der 3 Worte "Ich liebe dich" für diese postmoderne Welt. Jedes Wort wird ausführlich behandelt. Aber mich irritiert die z.T. saloppe Schreibweise, zu viele Banalitäten und Insider-Zwischenbemerkungen, die m.E. zu einem ernsten Sachverhalt nicht passen.

Ich habe besseres zum Lesen. Sorry, Leonard!

Licht zwischen den Fronten Bruder Andrew, Al Janssen

Anschläge – und Vergeltungsanschläge. Wird die Spirale der Gewalt im Nahen Osten je ein Ende finden?

September 1997. Wieder ein Selbstmord-Attentat in West-Jerusalem. Mindestens sieben Menschen sterben und 192 werden verletzt. Bruder Andrew – bekannt seit den 60er-Jahren für seine mutigen Bibelschmuggel-Aktionen in den verschlossensten der kommunistischen Staaten, und inzwischen bald siebzig – ist sehr berührt, als er vom neusten Attentat hört. Er betet für die Opfer und fragt sich, ob jemand von den Gläubigen betroffen war; Christen seien selbstverständlich nicht immun gegen solche Schrecken. Und er hat viele Freunde in dem Land.

Er schreibt: „Eine Frage beschäftigte mich nach jedem Selbstmord-Attentat, eine, die ich mir schon seit Jahren stellte: Hatte irgendjemand dem jungen Menschen, der sich selbst in die Luft sprengte, von Jesus erzählt? Wer ging zu den Terroristen? War überhaupt jemand darauf vorbereitet, ihnen zu begegnen und ihnen einen Grund zum Leben zu zeigen, der grösser war als ihre Motivation zu sterben? Wie sollten sie den Friedenfürsten kennen lernen, wenn niemand bereit war, zu ihnen zu gehen?

Aber sind islamische Fundamentalisten, die sich der Vernichtung Israels verschrieben haben, wirklich bereit, das Evangelium zu hören? Wie können wir es wissen, wenn wir nicht hingehen, wenn wir es nicht versuchen?“

Und so beginnt eine ganze Reihe von fast unglaublichen Begegnungen mit allerlei Schlüsselfiguren in Libanon, Israel, Westjordanland, dem Gazastreifen: Leiter des „Islamischen Dschihad“ und der „Hamas“, die sich erstaunlich offen für Gespräche über die Bibel und Jesus zeigen; ein Patriarch der Maronitischer Kirche, der behauptet „Ich habe keine Macht“; Jassir Arafat; Henry Kissinger; ein messianischer Jude, der der Überzeugung ist, nur ein toter Araber sei ein guter Araber; mutige palästinensische Christen, die, trotz der Zerstörung ihres Hauses durch Israelische Geschosse und wochenlangen Ausgangssperren, nicht aufgeben, ein Zeugnis für Jesus zu sein, ein Licht in der Finsternis dieses von Hass und Terror heimgesuchten Gebiets.

Ein immer wiederkehrender Faktor bei seinen vielen Reisen in das Heilige Land ist seine Bestrebung, jüdische und palästinensische Christen in Versöhnung zusammen zu bringen, sie zu ermutigen und ihnen zu unterstützen, damit sie selber im Namen Jesus die Message der Versöhnung mit Gott und den „Feinden“ verbreiten.

Ein Zitat: „Es gibt keine Terroristen – nur Menschen, die Jesus brauchen. … Ich meine es ernst. Wie kann ich sie erreichen, wenn ich sie als meine Feinde ansehe? Ich sage oft: Wenn du einen Terroristen mit einem Gewehr siehst, dann geh nahe an ihn heran, umarme ihn, und er kann dich nicht erschiessen. Solange wir irgendeinen Menschen – Moslems, Kommunisten, Terroristen – als unseren Feind ansehen, kann die Liebe Gottes nicht durch uns fliessen, um ihn zu erreichen. Jeder von uns hat eine Wahl. Ich kann zu den Terroristen gehen und sie ins Himmelreich hineinlieben. Und in dem Augenblick, wo ich sie liebe, sind sie nicht mehr meine Feinde.“

Allerdings bleibt Andrew realistisch. Am Ende des Buchs – es ist schon 2003 – sagt er: „Ich weiss, was viele Leser sich wünschen. Ihre unausgesprochene Forderung lautet: Zeige uns die Terroristen, die sich bekehrt haben! Wo ist der Friedensplan, den du ausgehandelt hast, Andrew? Welchen Einfluss hattest du auf Jassir Arafat und die Hamas-Führer durch deine Gespräche mit ihnen?

Ich kann keine messbaren Ereignisse vorweisen. Ich kann nur fragen: Was wäre, wenn ich nicht gegangen wäre?“

Und dann erinnert er uns an die vielen Menschen, die durch seinen Besuch und seine Ermutigung die Gute Nachricht von Jesus verbreiten.

„Licht zwischen den Fronten“ ist einfach zum Lesen, eine mitreissende Erzählung. Bruder Andrew – mit seiner demütigen, liebevollen und doch mutigen Art – motiviert jede(n) von uns, ein Licht für Jesus zu sein, egal zwischen welchen Fronten wir uns momentan befinden.

Star of the Sea, Joseph O’Connor

Ein spannender Roman über eine monatige Reise irischer Auswanderer nach Amerika in 1847 auf einem Dampfer. Nicht für fremdsprachige geeignet!

Fast unglaublich, wie millionen von landlosen Iren wegen der Kartoffelfäulnis (potato blight) fast oder ganz verhungern, wie dies den adligen reichen (meist englischen) Landbesitzern völlig egal ist. Wo ist die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit? Zählt dann schon nur Geld im Leben?

Unter den verwirrten Beziehungen entdeckt man aber sowohl selbstlose Aufrichtigkeit, wie auch verwerflichen Egoismus, der bis zum gnadenlosen Mord eines Freundes geht. Dazwischen die elende Verzweiflung, die einen frommen Vater dazu führt, seine geliebte Tochter und sich selbst zu ertrinken, damit sie und seine Frau nicht verhungern müssen.

Der Stil und die Sprache sind faszinierend.